Offene Proben, große Erwartungen

Theaterkollektiv REUTER 2.0 arbeitet an neuem Bühnenstück

Wer montagabends durch das EKZ der Reuterstadt geht, kann derzeit einen besonderen Blick hinter die Kulissen werfen: Im gläsernen Probenraum wird konzentriert gearbeitet, diskutiert, gelacht und wiederholt angesetzt. Hier bereitet sich das Theaterkollektiv REUTER 2.0 auf seinen Auftritt bei den 66. Fritz-Reuter-Festspiele vor, die vom 26. bis 28. Juni 2026 stattfinden werden.

Rund 50 Mitwirkende gehören dem Ensemble an – Frauen Männer, Jugendliche und Kinder unterschiedlichen Alters, mit ganz verschiedenen beruflichen und persönlichen Hintergründen. Was sie verbindet, ist die Begeisterung für das Theater und für das literarische Erbe der Region. Professionelle Schauspieler sind nicht dabei, und genau das ist Teil des Konzepts: Das Theaterkollektiv versteht sich als gemeinschaftliches Projekt, getragen vom Engagement vieler, nicht vom Anspruch perfekter Virtuosität.

Geleitet werden die Proben von Lutz Trautmann, der die künstlerische Verantwortung trägt. Seine Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Stimmen und Spielweisen zu bündeln und daraus eine klare theatrale Form zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um Textsicherheit und szenische Abläufe, sondern auch um Haltung: Wie lässt sich Fritz Reuter heute erzählen? Welche Zugänge eröffnen sich einem Publikum, das mit dem niederdeutschen Original nicht selbstverständlich vertraut ist?

Im Mittelpunkt der Arbeit steht, nun schon zum zweiten Mal, die Bühnenadaption von Ut de Franzosentid, einem der bekanntesten Werke von Fritz Reuter. Die Inszenierung folgt der sogenannten neuen Reuter-Rezeption. Konkret bedeutet das: Das Stück wird in Hochdeutsch gespielt, zugleich aber von einer niederdeutschen Erzählebene gerahmt. Diese Erzählklammer erinnert an den sprachlichen Ursprung des Textes und schlägt eine Brücke zwischen historischer Vorlage und zeitgenössischer Theaterpraxis.

Dass die Proben öffentlich einsehbar sind, ist kein Zufall. Der gläserne Raum im EKZ macht den Entstehungsprozess transparent und lädt zum Mitverfolgen ein – ein bewusst gesetztes Zeichen für Offenheit und Teilhabe. Theater soll hier nicht abgeschottet entstehen, sondern sichtbar im Alltag der Stadt verankert sein.

Die Erwartungen an die kommenden Festspiele sind entsprechend hoch. Schon 2025 besuchten rund 4.000 Menschen die Fritz-Reuter-Festspiele – ein deutlicher Beleg für die anhaltende Strahlkraft des Formats. Mit der aktuellen Produktion möchte das Theaterkollektiv Reuter 2.0 an diesen Erfolg anknüpfen und zugleich neue Akzente setzen.

Bis zur Premiere bleibt noch Zeit für intensive Probenarbeit. Jeden Montag wird gefeilt, hinterfragt und weiterentwickelt – mit dem Ziel, im Juni 2026 in der Reuterstadt Stavenhagen ein Theatererlebnis zu präsentieren, das Tradition ernst nimmt und dennoch bewusst neu denkt.