Fritz Reuter kam vor 186 Jahren aus der Festungshaft frei. Seine Texte erinnern daran, dass Freiheit auch eine Frage der Sprache ist.
Am 25. August 1840 wurde Fritz Reuter aus der Festung Dömitz entlassen. Der niederdeutsche Dichter hatte mehrere Jahre in Haft verbracht, nachdem ihn die preußischen Behörden wegen seiner Zugehörigkeit zur burschenschaftlichen Bewegung verfolgt hatten. Zunächst zum Tode verurteilt, war er zu einer langjährigen Festungsstrafe begnadigt worden.
Die Erfahrung staatlicher Willkür prägte Reuter nachhaltig. In «Ut mine Festungstid» verwandelte er sie später in Literatur. Bemerkenswert ist dabei die Distanz, die er zum eigenen Leiden gewann. Reuter schrieb nicht allein als Ankläger. Mit Ironie, genauer Beobachtung und einem ausgeprägten Sinn für menschliche Widersprüche entzog er sich der Rolle des bloßen Opfers.
Von ebenso großer Bedeutung war seine Entscheidung für das Niederdeutsche. Bei Reuter erscheint die Regionalsprache nicht als folkloristisches Beiwerk, sondern als Ausdruck einer eigenständigen Lebenswelt. Bauern, Handwerker, Dienstboten und kleine Beamte erhalten in seinen Texten eine Stimme, die ihnen die etablierte Literatur lange verweigert hatte.
Darin liegt Reuters unverminderte Aktualität. Auch moderne Gesellschaften errichten sprachliche Hierarchien. Sie entscheiden, welche Ausdrucksweisen als gebildet gelten und welche lediglich geduldet oder belächelt werden. Die Frage nach der Sprache ist deshalb stets auch eine Frage nach gesellschaftlicher Teilhabe.
Der 27. August ist kein offizieller Gedenktag für Fritz Reuter. Das Datum bietet dennoch Anlass, an eine Einsicht seines Werkes zu erinnern: Freiheit erschöpft sich nicht im Ende äußerer Unfreiheit. Sie setzt voraus, dass Menschen in ihrer eigenen Sprache sprechen können – und als gleichberechtigte Stimmen ernst genommen werden.