Ein Sommertag bei Fritz Reuter

Draußen liegt der Marktplatz in der Sommersonne. Einzelne Besucher bleiben vor dem historischen Gebäude stehen, schauen zum Schriftzug über dem Eingang, Fritz-Reuter Literaturmuseum ist dort zu lesen und treten schließlich durch die schwere Tür. Drinnen wird es ruhiger. Die Geräusche der Stadt bleiben zurück, der Rundgang durch das Leben Fritz Reuters und seine Zeit beginnt.

Im Geburtshaus des niederdeutschen Schriftstellers erzählen Briefe, Handschriften, Bücher und persönliche Gegenstände von einem Leben, das eng mit Stavenhagen und Mecklenburg verbunden war. Wer durch die Räume geht, begegnet jedoch nicht ausschließlich einem Autor des 19. Jahrhunderts. Das Literaturmuseum versucht, immer wieder Verbindungen zur Gegenwart herzustellen.

Gerade im Sommer kommen viele unterschiedliche Gäste ins Haus. Urlauber legen auf ihrer Fahrt durch Mecklenburg einen Zwischenstopp ein, Familien suchen ein Ausflugsziel, Reisegruppen möchten mehr über die Geschichte der Reuterstadt erfahren. Manche Besucher kennen Reuters Werke seit ihrer Schulzeit, andere hören hier zum ersten Mal von „Ut mine Stromtid“ oder „Kein Hüsung“.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt der Museumsalltag lange vor dem ersten Rundgang. Ausstellungsräume werden kontrolliert, Anfragen beantwortet und Gruppen empfangen. Hinter den Kulissen geht die Arbeit an der Sammlung weiter. Historische Dokumente müssen erfasst, geschützt und für Forschung und Ausstellungen aufbereitet werden.

Doch im Sommer soll das Museum nicht nur ein ruhiger Erinnerungsort sein. Sonderausstellungen, Führungen und Veranstaltungen bringen zusätzliche Bewegung in das Haus. Junge Menschen setzen sich mit der Geschichte der Reuterstadt auseinander und zeigen in eigenen Arbeiten, wie sie Vergangenheit und Gegenwart wahrnehmen. Auf diese Weise treffen historische Texte auf heutige Fragen und persönliche Sichtweisen.

Besonders lebendig wird es, wenn der Museumshof zum Veranstaltungsort wird. Dann kommen Einheimische und Gäste bei Kultur und Gesprächen zusammen. Es entstehen Begegnungen in ungezwungener Atmosphäre.

Das Fritz-Reuter-Literaturmuseum zeigt damit, was ein Literaturmuseum im Sommer leisten kann. Es bewahrt wertvolle Zeugnisse, vermittelt Wissen und öffnet zugleich Raum für neue Ideen. Literatur bleibt hier nicht im Elfenbeinturm. Sie wird erzählt, diskutiert und immer wieder neu entdeckt.

Als die Besucher das Haus verlassen, fällt der Blick erneut auf den Stavenhagener Markt. Hinter ihnen liegen alte Handschriften und historische Geschichten, vor ihnen das sommerliche Treiben der Stadt. Für einen Moment scheinen Vergangenheit und Gegenwart ganz nah beieinanderzuliegen.