Freiheit als Verpflichtung

„Fri möt wi sin“ – frei müssen wir sein. Der niederdeutsche Leitsatz Fritz Reuters klingt schlicht, verweist aber auf eine politische Erfahrung von großer Härte.

Reuter, 1810 in Stavenhagen geboren, wurde wegen seiner Beteiligung an der burschenschaftlichen Bewegung zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde später in Festungshaft umgewandelt. Rund sieben Jahre blieb er eingesperrt. Freiheit war für ihn deshalb keine Formel, sondern eine existentielle Frage.

Seine Haft verarbeitete Reuter später literarisch. Dabei schrieb er nicht nur über staatliche Willkür, sondern auch über Würde und Selbstbehauptung. Der Satz „Fri möt wi sin“ wurde so zum Gegenentwurf der politischen Unterdrückung.

Heute besitzt der Leitsatz erneut Gewicht. Freiheit bedeutet nicht, ohne Rücksicht auf andere zu handeln. Sie verlangt Verantwortung: für die Demokratie, für die Rechte Andersdenkender und für den Schutz von Minderheiten.

Reuters Satz ist deshalb mehr als ein historisches Zitat. Er erinnert daran, dass Freiheit verloren gehen kann, wenn Gleichgültigkeit an die Stelle politischer Wachsamkeit tritt. Jede Generation muss sie neu sichern.