Nach Thomas Mann hat sich mit Günter Grass ein zweiter deutscher Literaturnobelpreisträger von Fritz Reuter inspirieren lassen. In seinem Roman „Der Butt“ (1978) rezipiert Grass Reuters autobiografischen Text „Ut mine Festungstid“ (1862) in der Ausgestaltung eines Häftlingsschicksal in der preußischen Festung Graudenz. Joachim Rickes (Humboldt-Universität zu Berlin), Träger des „Fritz Reuter-Literaturpreis“ 2025, wies im Rahmen des Stavenhagener Kolloquiums „Literarische Rezeption als kreativer Prozess“ auf diese bislang unbeachtet gebliebene Grass‘ sche Bezugnahme auf den mecklenburgischen Schriftsteller hin. Das Kolloquium im Rahmen der „Fritz Reuter- Festspiele“ 2026 beinhaltete weiterhin Vorträge zu Brigitte Reimann und Walter Kempowski.
Wie Günter Grass festhielt, ist Fritz Reuter für ihn nicht nur ein „‚geschätzter Kollege'“, sondern vielmehr ein „‚bedeutender Schriftsteller“‚, dessen literaturgeschichtlicher Anerkennung allerdings seit längerem „‚ein provinziell verengter Begriff von Literatur'“ entgegenstehe. Dieser Hinweis eröffnet ein lohnendes Feld für Forschungen zu weiteren Reuter-Bezügen bei Günter Grass, aber auch darüber hinaus. Das reichhaltige Archiv des „Fritz Reuter- Literaturmuseums“ bietet dafür vielfältige Anknüpfungspunkte.