Zwei Tage vor Beginn der 66. Fritz-Reuter-Festspiele wird Stavenhagen zur Denkwerkstatt des Niederdeutschen. Beim zweiten Landesfachtag geht es nicht um nostalgische Pflege, sondern um die Zukunft einer Sprache, die in Kitas, Schulen und auf Bühnen weiterleben soll.
Zwei Tage, bevor Stavenhagens Markt mit dem Opening der 66. Fritz-Reuter-Festspiele zur Bühne wird, richtet sich der Blick im Fritz-Reuter-Literaturmuseum auf die Sprache selbst: Am 24. Juni 2026 kommt dort der zweite Landesfachtag Niederdeutsch Mecklenburg-Vorpommern, veranstaltet vom Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, zusammen. Unter dem Motto „Mit’nanner vöran“ wird nicht gefeiert, sondern gearbeitet — an der Frage, wie Niederdeutsch in Kitas, Grundschulen und Schulen lebendig vermittelt werden kann.
Der Ort könnte kaum besser gewählt sein. In Stavenhagen ist Fritz Reuter kein Denkmal aus Bronze, sondern eine kulturelle Folie, vor der Gegenwart verhandelt wird. Was andernorts leicht nach Brauchtum klingt, erhält hier einen anderen Ton: Platt als Bildungsauftrag, als soziale Praxis, als Sprache, die nicht nur erinnert, sondern gebraucht werden will.
Eröffnet wird der Fachtag von Bildungsministerin Simone Oldenburg; den fachlichen Akzent setzt Prof. Dr. Birte Arendt vom Kompetenzzentrum für Niederdeutschdidaktik der Universität Greifswald. Danach wird Theorie in drei Arbeitsräume übersetzt: Kita, Grundschule, Schule. Dort entscheidet sich, ob Niederdeutsch den Weg aus der Vitrine in den Alltag findet.
Dass der Fachtag unmittelbar vor den Fritz-Reuter-Festspielen stattfindet, ist mehr als eine kalendarische Pointe. Hier die Didaktik, dort die Bühne; hier der Workshop, dort das Spiel; hier die Frage nach Vermittlung, dort der öffentliche Beweis, dass Sprache erst im Gebrauch glänzt.
Am Nachmittag weitet sich der Landesfachtag ins Netzwerk und in die Kultur. Die Band Seeside tritt auf, junge Menschen diskutieren beim „Speed debating“ ihre Platt-Perspektiven. Vielleicht liegt genau darin der entscheidende Punkt: Wenn Niederdeutsch Zukunft haben soll, darf es nicht nur von Bewahrern gesprochen werden. Es braucht Stimmen, die es sich aneignen.
So wird Stavenhagen erneut zu einem Labor der Reuter-Rezeption. Vor dem Fest steht die Arbeit an der Sprache. Und nach der Arbeit darf sie hinaus auf den Markt.