Stadtgeflüster XVI

Hanne Nüte un de lütte Pudel

Nun meine lieben Freunde lade ich Euch zu einer besonderen Lesestunde ein. 1860 erschien meine Verserzählung Hanne Nüte un de lütte Pudel, eine Liebesgeschichte. Hier habe ich mich ein wenig von der Schönheit unserer Natur verleiten lassen und ein verklärtes Bild des idyllischen Landlebens gezeichnet. Aber wer genauer liest, erkennt meine satirischen Anspielungen auf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Das habe ich clever gelöst, in dem ich einigen Tieren die speziellen Eigenschaften dieser Personen zugeordnet habe. Du hast das sicherlich schon erkannt, Fontane. Und, van Gogh, was sagst Du eigentlich zu den wunderschönen Illustrationen, die die Geschichte begleiten? Sie stammen von Otto Speckter, der im 19. Jahrhundert ein weit bekannter Hamburger Maler war. Er hat auch das Märchen Das hässliche Entlein von Hans Christian Andersen illustriert. Andersen hat mich übrigens 1873 in meiner Villa in Eisenach besucht. Aber ich möchte jetzt noch nicht vorgreifen.

Nun aber zu der versprochenen Lesestunde mit dem Neustrelitzer Reuter-Rezitator Karl Kraepelin, einem wahrhaft lustigen Gesellen.

„[…] Dat is de lütt Pudel, Lütt Fiken is`t. – En smuckeres Dirning von drüttein Johr – Hett Gottes Sünn meindag`nich küßt; – De Strahl, de spelt in`t kruse Hor – Un küßt den weike Back gesund – Un küßt den roden, frischen Mund – Un slickt sick dörch dat brune Og` – In dat unschüllig Hart herin […]“ (Fritz Reuter: Hanne Nüte un de lütte Pudel, 1860)