Trauer um Bert Papenfuß

Er war ein Dichter des Widerstands, eine Stimme der Prenzlauer-Berg-Szene – und deren Zentrum. In der Nacht zum Samstag ist Bert Papenfuß-Gorek im Alter von 67 Jahren gestorben.

Der gesetzlose Raum

Wenn die Oberflächenspannung der Welt

hält, was die Gitterkoordinaten versprechen;

wenn die Konvergenz-Divergenz-Düse verspricht,

was das Rollmomentenderivativ auch hergibt;

dann ist die hochtrabende Vakuumfluktuation

nur eine Untertreibung des Raumzeitschaums.

Letztlich sind wir zu endlich,

um das Endliche auszuloten.

Nur im gesetzlosen Raum kommt es zu Kontakten,

wenn das Gierverhalten der Kapseln übereinstimmt.

 

Bęrt Papenfuß

* 11.01.1956, Reuterstadt Stavenhagen
† 26.08.2023, Berlin

Bis heute ist sein Rang als einer der wichtigsten Underground-Poeten des Prenzlauer Berges unbestritten. In der DDR konnte er nur eingeschränkt Texte veröffentlichen. Er war damals einer der ersten Lyriker, der seine Gedichte im Rahmen von Rock- und Punkkonzerten vortrug. Berühmt ist Papenfuß für seinen virtuosen Umgang mit Idiomen unterschiedlichster Herkunft. Bei der Mischung von Argot, Rotwelsch, Slam und Slang – dargeboten wahlweise als Seeräubersong oder als täuschend schlichter Knittelvers – verfolgt er einen grundsätzlich sprachspielerischen Ansatz, subversiv und kraftvoll.