Eine Sprache lebt weiter: Stavenhagen feiert Fritz Reuter

Zum 216. Geburtstag des Dichters am 7. November 2026 verbindet die Reuterstadt die Erinnerung an ihren berühmten Sohn mit der Verleihung des 28. Fritz-Reuter-Literaturpreises.

Wer Fritz Reuter liest, begegnet Menschen mit Schwächen, Widersprüchen und Hoffnungen. Sein Humor schafft Nähe, sein genauer Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse gibt seinen Geschichten Gewicht. Am 7. November 2026 jährt sich der Geburtstag des 1810 in Stavenhagen geborenen Schriftstellers zum 216. Mal. Seine Heimatstadt nimmt diesen Tag zugleich zum Anlass, die Gegenwart der niederdeutschen Literatur zu würdigen: Im Schloss Stavenhagen wird der 28. Fritz-Reuter-Literaturpreis verliehen.

Reuter gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern niederdeutscher Sprache. Mit Werken wie „Ut de Franzosentid“ und „Ut mine Stromtid“ erreichte er ein Publikum weit über Mecklenburg hinaus. Seine Figuren, allen voran der unverwechselbare Unkel Bräsig, machten ihn weithin bekannt. In seinen Erzählungen wurde das Plattdeutsche zur Sprache einer Literatur, die unterhalten, berühren und gesellschaftliche Zustände sichtbar machen konnte.

Dabei kannte Reuter die Härten des Lebens aus eigener Erfahrung. 1833 wurde er verhaftet, 1837 wegen seiner burschenschaftlichen Verbindungen zum Tode verurteilt und zugleich zu einer langjährigen Festungshaft begnadigt. Erst 1840 kam er frei. Der Weg zum erfolgreichen Schriftsteller führte über schwere persönliche Krisen und berufliche Umwege. Diese Lebensgeschichte gehört zur Erinnerung an Reuter ebenso wie sein erzählerischer Witz.

Die Verbindung von Geburtstag und Literaturpreis lenkt den Blick nun auf jene, die heute auf Niederdeutsch schreiben oder sich wissenschaftlich mit der Sprache und ihrer Literatur beschäftigen. Seit 1999 vergeben die Reuterstadt Stavenhagen und das Fritz-Reuter-Literaturmuseum die Auszeichnung gemeinsam. Sie ist mit 3.000 Euro dotiert und wird von der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin unterstützt. Berücksichtigt werden neue niederdeutsche Literatur sowie sprach- und literaturwissenschaftliche Arbeiten zum Niederdeutschen.

Dass Reuters Werk weiterhin neue Leserinnen und Leser erreichen kann, zeigte sich auch im Hochschulbetrieb: Der Literaturpreisträger von 2025, Prof. Dr. Joachim Rickes, widmete Fritz Reuter im Sommersemester 2026 eine Vorlesung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dabei standen unter anderem Reuters Bedeutung für Thomas Mann und sein Roman „Ut mine Stromtid“ im Mittelpunkt. So reicht die Beschäftigung mit dem mecklenburgischen Autor bis in heutige Seminarräume hinein.

Der 216. Geburtstag ist damit ein guter Anlass, wieder zu Reuter zu greifen – und zugleich neugierig auf neue niederdeutsche Texte zu werden. Die Preisverleihung bringt beides zusammen: die Freude an einem reichen literarischen Erbe und die Aufmerksamkeit für Menschen, die es mit eigenen Geschichten, Gedanken und Forschungen weiterführen. Eine Sprache bleibt lebendig, wenn sie gelesen, gesprochen und geschrieben wird. In Stavenhagen erhält diese Arbeit am 7. November ihren festlichen Platz.