Fritz-Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen bewahrt wertvolle Zeugnisse niederdeutscher Literatur
Das Reuterdenkmal auf dem Stavenhagener Markt erinnert an den bekanntesten Sohn der Stadt. Weniger bekannt ist: In seinem Fundament liegt ein Gedicht von Rudolf Tarnow. Im Fritz-Reuter-Literaturmuseum wird dieses literarische Erbe bis heute bewahrt und weiter erschlossen.
Wer auf dem Markt in Stavenhagen vor dem Reuterdenkmal steht, denkt zunächst an Fritz Reuter. Tatsächlich ist mit dem Denkmal aber auch Rudolf Tarnow verbunden. Zur Grundsteinlegung am 7. November 1910 wurde dessen Gedicht „Ein Randewuh im Rathaus zu Stavenhagen“ im Fundament eingemauert. Das Werk erschien damals eigens als Sonderdruck der Stavenhagener Buchdruckerei Beholtz.
Die Episode steht beispielhaft für das kulturelle Selbstverständnis der Reuterstadt. Zwar steht Fritz Reuter im Mittelpunkt, doch das literarische Gedächtnis Stavenhagens reicht weiter. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet das Fritz-Reuter-Literaturmuseum, das sich nicht nur als Erinnerungsort, sondern auch als Archiv- und Forschungsstätte für niederdeutsche Literatur versteht.
In den Sammlungen des Hauses befinden sich ausdrücklich auch Bestände zu Rudolf Tarnow, Wilhelm Zierow und Max Gerhardt. Damit dokumentiert das Museum, dass in Stavenhagen nicht allein das Werk Reuters gepflegt wird, sondern auch das anderer Autoren, die die niederdeutsche Literatur in Mecklenburg weitergetragen haben.
Gerade der Tarnow-Bestand ist für Forschende und Heimatfreunde von besonderem Interesse. Verzeichnet sind unter anderem ein von Tarnow eigenhändig korrigiertes Manuskript der Gedichte „Rüter-Püter“, der Briefwechsel mit der Hinstorffschen Verlagsbuchhandlung, handschriftliche Gedichte und Entwürfe, Briefe und Karten an die Familie Christiansen aus den Jahren 1918 bis 1927 sowie Drucke und Zeitungsausschnitte von und über den Autor. Hinzu kommen Materialien zu Lesungen, Vorträgen und Rundfunksendungen sowie persönliche Dokumente wie eine Heiratsurkunde.
Solche Bestände sind weit mehr als bloße Aufbewahrung alter Papiere. Sie bilden das kulturelle Langzeitgedächtnis einer Region. Aus Manuskripten, Briefen und Archivmaterial entstehen Ausstellungen, Forschungsarbeiten, Schulprojekte und Lesungen. Im Fritz-Reuter-Literaturmuseum gehört diese Aufgabe ausdrücklich zum Selbstverständnis: sammeln, bewahren, erschließen, restaurieren, erforschen und vermitteln.
Dass der Bestand lebendig bleibt und weiter wächst, zeigt ein jüngster Zugang. Anfang April 2026 konnte das Museum ein seltenes Gästebuch der Familie Hinneberg aus Neukalen übernehmen. Rudolf Tarnow hat sich darin mit zwei längeren Einträgen verewigt. Nach Angaben des Museums eröffnet das Dokument neue Einblicke in Tarnows persönliches Umfeld und in die Regionalgeschichte.
So schließt sich in Stavenhagen ein besonderer Kreis: Über dem Fundament des Reuterdenkmals steht die Erinnerung an Fritz Reuter, im Fundament selbst ruht ein Gedicht Rudolf Tarnows. Und nur wenige Schritte entfernt bewahrt das Fritz-Reuter-Literaturmuseum jene Handschriften, Briefe und Dokumente, die diese literarische Tradition bis heute lebendig halten.