Was macht ein Maler in einem Literaturmuseum? In Stavenhagen ist die Antwort klar: sehr viel. Das Fritz-Reuter-Literaturmuseum zeigt dem Künstler und Grafiker Ernst Lübbert eine ständige Ausstellung – und würdigt damit nicht nur sein Werk, sondern auch ein wichtiges Stück Stadtgeschichte.
Im Fritz-Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen hat Ernst Lübbert einen festen Platz. Im Haus 2 erinnert eine Dauerausstellung in drei Räumen an den Maler und Grafiker, der eng mit der Reuterstadt verbunden ist. Gezeigt werden biografische Informationen, Werke aus dem Museumsbestand sowie Leihgaben aus anderen Sammlungen.
Dass ein bildender Künstler in einem Literaturmuseum vertreten ist, wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Für Stavenhagen ist es jedoch nur folgerichtig. Das Museum versteht sich nicht allein als Erinnerungsort für den niederdeutschen Dichter Fritz Reuter, sondern auch als Bewahrer regionaler Kunst- und Stadtgeschichte. Werke von Ernst Lübbert gehören ausdrücklich zu den Sammlungsschwerpunkten.
Lübbert wurde 1879 in Warin geboren und kam 1886 mit seiner Familie nach Stavenhagen. Hier besuchte er zunächst die Bürgerschule und später eine private Knabenschule. Von Stavenhagen aus führte ihn sein Weg nach Berlin, wo er an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste studierte. Dort erhielt er mehrere Auszeichnungen und arbeitete später als freischaffender Künstler, Reklamezeichner und Karikaturist. Auch mit Porträt- und Genremalerei machte er sich einen Namen, seine Werke wurden unter anderem in Hamburg und Berlin gezeigt.
Gerade diese Verbindung von Herkunft, künstlerischer Qualität und regionaler Bedeutung macht seine Präsenz im Museum so überzeugend. Nach Angaben des Hauses ist nur in Stavenhagen eine repräsentative Auswahl seines Werkes öffentlich zugänglich. Die Ausstellung ergänzt den literarischen Schwerpunkt des Museums um eine bildnerische Perspektive und zeigt, dass kulturelle Identität nicht allein aus Texten besteht.
Besonders bewegend ist auch Lübberts kurzes Leben. Der Künstler fiel 1915 als Soldat an der Ostfront – im Alter von nur 36 Jahren. Die Ausstellung ist deshalb mehr als eine kunsthistorische Präsentation. Sie ist auch ein Ort des Erinnerns an ein Werk, das viel zu früh endete.
In Stavenhagen wird Ernst Lübbert somit nicht aus bloßer regionaler Verbundenheit gezeigt. Seine Kunst, seine Lebensgeschichte und seine enge Beziehung zur Stadt geben dem Museum einen zusätzlichen kulturellen Schwerpunkt – und der Stadt ein weiteres Stück ihres Gedächtnisses.