Stadtgeflüster XV

De Urgeschicht von Meckelnborg

„So ist es, mein lieber Fontane. Wir beide sind große Schriftsteller geworden und prägten mit unserem Schaffen die deutsche Literaturgeschichte. In unseren Werken haben wir die Welt, in der wir lebten, und die gesellschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit realistisch dargestellt und künstlerisch, durch Humor, Ironie und teilweise auch durch Verschönerung, verklärt.“

„Ja Reuter, anders hätten wir beide doch nicht solch einen großen Erfolg gehabt!“

„Du hast recht, Fontane. In diesem hier liegenden Werk habe ich nicht mit Humor und Ironie gespart. ‚De Urgeschicht von Meckelnborg‘ ist eine satirische Sicht auf das rückständige Mecklenburg. Leider habe ich dieses interessante Buch nicht vollendet, demzufolge wurde es zu meinen Lebzeiten auch nicht veröffentlicht. Erst nach meinem Tod wurde es in meinem Nachlass entdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was mich heute doch mit Stolz erfüllt.“

„[…] Ein Bruchstück meiner Urgeschicht hätte ich Ihnen, um Ihr Urteil zu erfahren, gerne beigelegt, wenn ich nicht gerade in ungeheurer Heiterkeit daran arbeitete […] Das Buch wird nur sehr langsam fertig, ich will`s nicht übereilen, da ja noch – Gott sei Dank! – tagtäglich wunderschöne Staatsalbernheiten bei uns passieren […]“ (Fritz Reuter an Adolf Wilbrandt, Neubrandenburg 07.12.1862)