Stadtgeflüster XIII

Kein Hüsung

Diese sozialkritische Verserzählung habe ich mit meinem Herzblut geschrieben. Hier könnt ihr mit mir in das unmenschliche Leben auf den Gütern Mecklenburgs im 19. Jahrhundert eintauchen und euch mit den gesellschaftlichen Bedingungen wie das Niederlassungsrecht, die Heimatgesetzgebung und die absolute Willkür der Junker über die sozial Abhängigen auseinandersetzen. Also einfach mecklenburgische Geschichte pur. So werdet ihr auch verstehen, warum zu dieser Zeit zehntausende Mecklenburger nach Amerika auswanderten, obwohl sie nicht wussten, was in einem unbekannten Land auf sie zukommen würde. Die Liebesgeschichte von Marie und Johann ohne Happy End ist der Aufhänger dieser Verserzählung.

Die beiden Liebenden erhalten kein Wohn- und Niederlassungsrecht vom brutalen Gutsbesitzer, so können sie auch nicht heiraten. Dazu ist Marie schwanger, so bahnt sich die Katastrophe an. Johann ersticht im Affekt den Gutsbesitzer und flieht nach Amerika. Marie bleibt zurück und bekommt das Kind, wird zu Heiligabend vom Gut vertrieben und bringt sich um.

„… Hei hett mit Grull min Hart vergällt; Hei driwwt Elendig `rin mi in de Welt! Hei hett min Mäten Von `t Hart mi reten, Hei un sin Bann`! Fluch æwer All`ns, wat stolz un rik! Fluch æwer minen Vaderlann`! – Marik! Marik!“

Das Kind wächst beim alten Knecht auf und Johann kommt nach Jahren zurück, um seinen Sohn zu holen.

„… Jehann böhrt hoch sin Kind in En`n : ‚Un ist de bläudig Daht ok min, Un brennt sei heit mi up dat Hart, Ick weit doch, dauh`ck de Ogen tau, Dat`s för min Kind taum Segen ward.De Daht is min! De Segen sin! Fri sall hei sin! Fri sall hei sin!’“