Stadtgeflüster XII

Umzug nach Neubrandenburg

Ihr habt es gehört. Nun bin ich angesehener Bürger der Stadt Neubrandenburg und freier Schriftsteller. Im April 1856 zogen wir beide um, in eine bescheidene, kleine Wohnung. Neubrandenburg war neben der Residenzstadt Neustrelitz der wichtigste Ort im Kleinstaat Mecklenburg-Strelitz.

So, und da sind wir gleich wieder beim richtigen Thema gelandet: Kleinstaaterei, rückständige, feudalgeprägte Verhältnisse, Heimatgesetzgebung und Auswanderung. Darüber wollte und musste ich berichten, das musste ich literarisch aufarbeiten.

Dabei halfen mir meine Neubrandenburger Freunde Ernst und Franz Boll. Zwei Männer, die sich für die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit und für Reformen und Gesetze einsetzten, die auf den Idealen der antifeudalen Bewegung beruhen. Der Historiker und Naturforscher Ernst Boll, einer der Begründer der Naturforschung in Mecklenburg und ein Verfechter liberaler Ansichten, unterstützte mich bei meiner literarischen Verarbeitung. Es entstand mein Versepos „Kein Hüsung“, vom dem ich Euch beim nächsten Mal berichte.

„… oh, hier in Neubrandenburg sieht`s herrlich aus … so köstlich ist hier die Natur, so freundlich unser Städtchen …“ (Fritz Reuter an die Schwestern von Bülow, 14.12.1857)