Stadtgeflüster XI

Erster Erfolg als Schriftsteller

Der Schulmeisterrock stand mit ganz gut, auch machte mir und meinen Schülern der Unterricht im Turnen und Zeichnen viel Spaß.

Um mein kleines Gehalt als Schulmeister aufzubessern, malte ich Porträts von ihnen. Na, Vincent van Gogh, nicht Deine Kunstrichtung, was? Als Begründer der modernen Malerei sind meine Porträts wohl ein wenig zu spießig für Dich. Du hast die Malerei durch die Abkehr von traditioneller, realistischer Darstellung revolutioniert und Du wirst heute noch als einer der wichtigsten Vertreter der Modernen gehandelt.

Aber ich will ja gar nicht mit Dir in Wettstreit treten. Ich habe meine Berufung im Schreiben gefunden und nun nahm mein Leben eine positive Wendung.

Ich malte nicht nur im Nebenverdienst, sondern ich schrieb auch kleine Gelegenheitsgedichte, Anekdoten und plattdeutsche Verse. Daraus entstand die Sammlung „Läuschen un Rimels“, die ich mit der finanziellen Hilfe meiner Freunde aus Treptow veröffentlichen konnte – der Schriftsteller Fritz Reuter wurde geboren.

De Koppweihdag

„Gu`n Morgen, Herr Aptheiker! Seggen S´ mal, wat is woll gaud vör Koppweihdag?“ „Min Sähn, dat is de düllste Qual, Dat is ´ne niederträcht`ge Plag. Na, sett di man en beten dal. Du büst woll her ut Frugenmark?“ „Ja, Herr! Ick dein dor up den Hoff.“ „Na, sünd de Koppweihdag denn stark?“ „Ja, Herr! Sei maken´t got to groww.“ „Na, denn kumm her un dauh mal irst din beiden Ogen tau. – Süh! So is´t recht! Nu rük mal swinn, all wat du kannst, in dese Buddel rin.“ De Bengel deiht ok ganz genau, wat hei em heit: makt irst de Ogen tau un rükt recht düchtig rinner dunn. Bautz! Föll hei rügglings von den Staul herun, as hei nu wedder sick besunn, seggt de Aptheiker: „Sähn, nu segg: Sünd dine Koppweihdag nu weg?“ „Ih, Herr, von mi is nich de Frag, Uns`Frölen hett de Koppweihdag.“ (Fritz Reuter: Läuschen un Rimels)